Himmel-Fahrt auf der Aller
Die Wettervorhersage war alles andere als rosig: Regen, Wind, einstellige Temperaturen – Eisheilige eben. Wer uns bei strömendem Regen am Himmelfahrtstag mit dem Bootsanhänger in OHZ starten sah, musste uns für recht verwegen halten oder für verrückt erklären. Wir – das waren Hannes, Ingo und Birgitta. Joachim musste leider krankheitsbedingt absagen. Im Hotel „Allerhof“ in Bosse warteten derweil zwei weitere Ruderkolleginnen auf uns: Bärbel von der Rudervereinigung Kappeln und Ilka vom Ruderklub Flensburg. Auch sie wären eigentlich als Trio aus Schleswig-Holstein angereist, aber die Dritte im Bunde – Gerhild – fiel ebenfalls kurzfristig aus.








Nach kleiner Pause im Hotel – wir konnten sogar schon früher einchecken als geplant – ging es gleich weiter mit zwei Wagen zur Schleuse Marklendorf, um dort Ilkas Auto abzustellen, bevor wir mit Hannes‘ Wagen und den Booten den Anleger des WSC Unteraller anpeilten. Nachdem wir dort die Boote vom Hänger geladen hatten, gab es noch mal eine Extraportion Regen. Dankenswerterweise öffnete uns ein Mitglied des WSC das Clubhaus und wir konnten gemütlich im Warmen den Schauer abwarten und uns noch etwas stärken, bevor es aufs Wasser ging.
Auf den 34 Ruderkilometern bis zur Schleuse Marklendorf blieb es dann bis auf zwei kleinere Schauer weitgehend trocken. Hinter der Schleuse deponierten wir die Boote am Steg. Jetzt musste aber noch Hannes‘ Auto mit dem Hänger vom WSC abgeholt werden, deshalb hatten wir ja Ilkas Wagen bei der Schleuse abgestellt. Da die Ecke recht matschig war und wir Ilkas Auto weitgehend „schonen“ wollten bzgl. Dreck, spazierten Ingo und Birgitta schon mal ein gutes Stück die „Bremer Straße“ entlang, bis irgendwann die beiden Ruder-Autos an uns vorbeizogen und uns einsammelten. Übrigens: die Sonne lachte nun vom stahlblauen Himmel und gab schon mal einen Vorgeschmack auf die beiden folgenden Tage, in denen uns kein einziger Schauer mehr erwischen sollte. Entspannt genossen wir in gemütlicher Runde das leckere „Allerhof“-Abendessen – für Hannes und Ingo gab es übrigens Currywurst mit Pommes, was die beiden mit „Vatertag“ rechtfertigten.
Am zweiten Tag unserer Tour ging es von Marklendorf nach Bosse. Unterwegs mussten zwei Schleusen passiert werden, was in diesem Fall zweimal „Umtragen“ hieß und bei der zweiten Schleuse einen etwas heiklen Einstieg bei starker Strömung bedeutete, den wir aber gut gemeistert haben – auch dank spontaner Unterstützung zweier freundlicher Angler, die das Boot beim Einstieg stabilisierten. In der Aussicht, ab jetzt schleusenfrei weiter rudern zu können, ging es flott voran trotz kräftigem Gegenwind, aber ja auch mit kräftiger Strömung. Da die Aller sich wie ein Wurm hin und her schlängelt, erwischt der Wind einen allerdings auch aus allen Richtungen. Dank des recht hohen Wasserstands konnten wir den herrlichen Blick auf die grüne Weidenlandschaft genießen und waren erstaunt, dass wir niemandem sonst hier begegneten. Kein einziges Boot weit und breit. Im Sommer soll es deutlich lebhafter auf der Aller zugehen… Selbst die am Ufer grasenden Mutterkuhherden schienen über uns einsame Kameraden zu staunen.
Am dritten Tag ruderten wir unserem endgültigen Ziel entgegen: Verden. Nach kurzer Pause in einem Dörfchen namens Westen, wo wir beim Wassersportclub bequem in einem kleinen Hafenbecken anlegen konnten und freundlich empfangen wurden inklusive Toilettennutzung etc., schafften wir die restlichen Kilometer natürlich umso besser. Beim Verdener Ruderverein wartete schon Elke – nein, nicht Hannes Angetraute und auch nicht unsere OHZ-Teufelsmoorrallye-Expertin – auf uns und schloss uns die Bootshalle auf, damit wir die „Wümme“ und „Beeke“ wieder ordnungsgemäß reinigen und auf den Hänger laden konnten. Trotz ihres gebrochenen Handgelenks schaffte Elke es irgendwie, uns einen heißen Kaffee zu zaubern. Wie gut der tat, merkten wir erst, als wir oben im weitläufigen Vereinssaal mit Blick auf die Aller saßen und den Blick auf „unseren“ Fluss noch einmal richtig in Ruhe genießen konnten. Elke beteuerte, Hannes schon seit 40 Jahre zu kennen: solche Kontakte sind natürlich Gold wert. Danke, lieber Hannes, für diese perfekte Planung. Es hätte keine gelungenere Himmel-Fahrt sein können!
Birgitta vom Lehn
