Schnuppertage auf der Hamme

Sind Frauen abenteuerlustiger als Männer? Oder gesundheitsbewusster? Oder schlicht beweglicher? Den Eindruck konnte man oder besser frau beim Blick auf die Teilnehmerliste des jüngsten Schnupperkurses bekommen: die weiblichen „Schnupperlinge“ (insgesamt sechs) überrundeten die männlichen (zwei) in puncto Quote deutlich!

Spaß hatten aber alle, egal ob Männlein oder Weiblein. Und kaputt waren sie am Ende der Schnuppertage auch, wie hinterrücks zu hören war. Der Appetit soll abends daheim mächtig gewesen sein, die Schlafqualität erhöht. Manch einer lag sogar abends im Bett und hatte immer noch das Schaukeln des Boots im Kopf. Kein Wunder, hatten die Neulinge doch eine Vielzahl an Eindrücken, Erfahrungen und Belehrungen zu verdauen. Nicht jeder brachte Erfahrungen auf dem Wasser – etwa als Kanute oder Segler – mit. Hinzu kam am Samstag ein strammer Nordwest, der selbst erfahrene Ruderer ins Schwitzen gebracht hätte.

Einen besonders erfahrenen Ruderer – unseren Grand Seigneur Hannes – hat der stürmische Tag allerdings eher das Frösteln gelehrt: „dank“ einer offenen Dolle an der „Kormoran“ landete ausgerechnet er in der (wieviel Grad?) kalten Hamme. „Ein Anfängerfehler“, kommentierte unser Vereins-Profi sein eigenes Missgeschick und lachte dabei verschmitzt übers ganze Gesicht, so als ob es sich dabei wirklich nur um einen Spaß gehandelt hätte.

„Ich habe das Boot übernommen und nicht kontrolliert, ob die Dollen geschlossen sind“, berichtete Hannes. Aber als Ruder-Profi hat er natürlich immer Wechselklamotten dabei, und so konnte er sich – nachdem er das Boot in den Wellen wieder eingefangen hatte – rasch „in trockene Tücher bringen” und den Anfängern mit seinem Malheur zugleich eine ungeplante, aber ganz sicher lehrreiche wie nachhaltige Showeinlage liefern…

Ansonsten ist aber niemand im Wasser gelandet; unser engagiertes vereinseigenes Lehrpersonal Karola und Enno erwies sich als überaus souverän und wie gewohnt standfest im Heck der Lehrboote. „Krüger“ und „Horst“ glitten – nach erster theoretischer Unterweisung der Neulinge im Bootshaus und weiteren Anweisungen auf dem Wasser – je nach Besatzung, Wind und Konzentration mehr oder weniger schnittig dahin. Einen gemeinsamen Rhythmus zu finden und ihn dann auch zu halten ist doch gar nicht so leicht, wie manch einer sich vorher wohl dachte! Am Sonntag ging es bei Windstille und Sonnenschein aber sogar schon bis Melchers und zur Eisenbahnbrücke.  

Beim abschließenden „Kaffee-Schnack“ im Bootshaus äußerten sich alle Teilnehmer sehr zufrieden, manche waren auch optimistisch, dem Rudersport mehr als nur ein „Schnuppern“ widmen zu wollen. Mit den Urkunden über ihre Teilnahme erhielten sie zugleich auch die Anmeldebögen für einen möglichen Vereinsbeitritt. Vorher dürfen alle Neulinge aber noch dreimal den regulären Ruderbetrieb testen, bevor sie sich endgültig für den Beitritt entscheiden.

Birgitta vom Lehn